Monat:Dezember 2009
Xanten
Bereits in der Jungsteinzeit, also um ca. 5.500 vor Christi Geburt, siedelten sich in der Gegend um Xanten die ersten Stämme an. Die Jungsteinzeit beginnt mit dem Übergang von Sammler- und Jägerkulturen zu sesshaften Stämmen mit domestizierten Tieren und Pflanzen. 12 vor Christus bauten die Römer das Militärlager Vetera Castra I auf dem Fürstenberg. Zwischen 8.000 und 10.000 Legionäre waren in dem Lager stationiert bis es 70 nach Christus von germanischen Stämmen zerstört wurde. Die Römer bauten Vetera Castra II an anderer Stelle wieder auf. Die größte römische Stadt nach Köln in Niedergermanien wurde vom römischen Kaiser Traian im Jahr 98 gegründet. In Colonia Ulpia Traiana lebten bis zu 15.000 Menschen. Die Herrschaft der Römer dauerte bis zum 5. Jahrhundert an. Christen hatten besonders unter dem römischen Herrscher Julian zu leiden, sie wurden verfolgt und getötet. Der römische Soldat Viktor wurde der Legende nach in Birten ermordet, zu seiner vermuteten Grabstätte pilgerten schon bald gläubige Christen. Später wurde an dieser Stelle der St. Viktor-Dom erbaut.
Im Jahr 590 wird ein Stift mit dem Namen “ad sanctos” (zu den Heiligen) an der Stelle der vermuteten Grabstätte Viktors erbaut. Aus “ad sanctos” wird bald Sanctos dann Xanctum und Xantum und schließlich Xanten. Um das Stift siedelten sich fränkische und friesische Händler an. Die Stadtrechte wurden Xanten im Jahr 1228 verliehen. Die Stadt wurde bald zur beliebten Wallfahrstätte und auch der Handel florierte. Durch die Verlagerung des Rheins im 16. Jahrhundert, an dessen Ufer Xanten bis dahin gelegen hatte, wurde der Stadt die Handelsgrundlage entzogen und damit endete vorerst die Zeit des Wohlstandes. Xanten verarmte. Während der französischen Herrschaft besuchte 1811 Napoleon mit seiner Frau Marie Xanten. Durch die Preußische Verwaltungsorganisation wurde Xanten 1816 dem Kreis Rheinberg zugeordnete. 1937 wurde dem St. Viktor-Dom von Papst Pius XI. der Titel einer Basilika minor verliehen. Der Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Doms konnte 1966 abgeschlossen werden. Der Archäologische Park Xanten (APX) wurde 1977 eröffnet. Im APX kann man Teile der wieder aufgebauten römischen Stadt bewundern.
International bekannt ist Xanten durch die Mythenfigur Siegfried von Xanten, dem Richard Wagner einen Teil im Ring der Nibelungen widmete. Der Legende nach badet Siegfried im Blut des von ihm getöteten Drachen und wird dadurch unverwundbar mit Ausnahme einer kleinen Stelle zwischen den Schultern auf die während des Bades ein Eichenblatt gefallen war. Seine Frau Kriemhild markiert die Stelle, so dass Hagen von Tronje Siegfried mit einem gezielten Speerstich töten kann. In der einzigen Stadt Deutschlands, die mit dem Buchstaben X beginnt, leben derzeit rund 21. 000 Menschen in einem der sechs Stadtbezirke Birten, Lüttingen, Marienbaum, Vynen/Obermörmter, Wardt und Xanten.
Wesel
Wie heißt der Bürgermeister von Wesel? Kaum jemand, der die Antwort auf diese Frage nicht wüsste. Dem “wahren” Bürgermeister haben die Weseler sogar vor dem Berliner Tor ein Denkmal gesetzt. Wesel ist mit mehr als 61.000 Einwohnern die größte Stadt meines Wahlkreises. Die fünf Stadteile Bislich, Büderich, Flüren, Obrighoven und Wesel verteilen sich auf mehr als 120 km². Wesel hatte schon im Jahr 1241 die Stadtrechte verliehen bekommen, die Brauerei- und Marktrechte folgten alsbald.
Bereits im 13. Jahrhundert florierte der Handel, der im 14. Jahrhundert durch die Tuchherstellung weiter gesteigert werden konnte und der Stadt Wesel zu großem Wohlstand verhalf. Wesel wurde 1407 Mitglied der Hanse und damit zum wichtigen Umschlagplatz für Waren aus Westfalen und den Niederlanden. Im Jahr 1609 ging Wesel an die Kurfürsten von Brandenburg. Während des 80jährigen Krieges wurde die Stadt sowohl von spanischen, niederländischen als auch von französischen Truppen besetzt.
Am 12. August 1730 kam es auf der Festung Wesel zu einem folgeschweren Zusammentreffen zwischen Kronprinz Friedrich von Preußen und seinem Vater. Friedrich der Große, wie er später genannt wurde, hatte versucht vor seinem strengen Vater, dem Soldatenkönig, mit seinem Freund Katte nach England zu fliehen. Nur das beherzte Eingreifen des Kommandanten, Generalmajor v.d. Mosel, konnte verhindern, dass der Vater seinen Sohn eine Woche nach seinem gescheiterten Fluchtversuch in Wesel hinrichten ließ. Katte wurde später auf Geheiß des Soldatenkönigs enthauptet, Friedrich musste zuschauen.
1805 wurde Wesel französisch. 1809 wurden die 11 Schillschen Offiziere, die zusammen mit dem preußischen Major Ferdinand von Schill versucht hatten, sich gegen die französischen Besatzer aufzulehnen, auf einer Lippewiese hingerichtet. Seit 1835 erinnert ein nach den Plänen von Karl Friedrich Schinkel errichtetes Denkmal am Hinrichtungsort an die 11 Offiziere. Nachdem die Preußen die Herrschaft über den Niederrhein wiedergewonnen hatten, wurde Wesel zur Garnisonsstadt ausgebaut. Mit der Entmilitarisierung des Rheinlands nach dem ersten Weltkrieg endete vorerst die Zeit als Garnisonsstadt. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden wieder Truppen in Wesel stationiert. Im Februar 1945 wurde Wesel zu 97 Prozent zerstört und 1947 zum landwirtschaftlichen Notstandsgebiet erklärt. Der Wiederaufbau begann 1949 und wurde durch die Initiative des neu gegründeten Notstandswerks “Wesel hilft sich selbst” vorangetrieben. Seit 1975 ist Wesel Kreisstadt. Das Preußenmuseum NRW öffnete 1998 in der Zitadelle Wesel seine Tore.
Voerde
Auf gut 53 km² erstreckt sich die am Rhein gelegene Stadt Voerde. Rund 38.300 Menschen leben in den 11 Stadtteilen Götterswickerhamm, Löhnen, Mehrum, Möllen, Voerde, Stockum, Holthausen, Friedrichsfeld, Emmelsum, Spellen und Ork. Voerde wurde 1981 mit dem Überschreiten der 25.000 Einwohnergrenze zur Stadt.
Ein besonderes Highlight ist das Wasserschloss Haus Voerde. Das Wasserschloss wurde wahrscheinlich schon vor dem Jahr 1200 erbaut und war damals wohl ein Lehen der Abtei Werden. Erstmalig urkundlich erwähnt wurde das Anwesen 1344, als die Abtei Werder Johann von Loete die Burg als Lehen zur Verfügung stellte. Danach wechselte das Wasserschloss in den Besitz der Herren von Cappelen, dann bezogen die Herren von Syberg das Haus Voerde. Die einzelnen Besitzer bauten das Schloss mehrfach um oder erweiterten es. Seit 1950 ist das Wasserschloss im Besitz der Stadt Voerde, die die romantische Atmosphäre des Anwesens für standesamtliche Trauungen nutzt.
Eine Furt über einen Rheinarm, die von den Römern und später von den Franken zur Rheinüberquerung genutzt wurde, ist die Namensgeberin der Stadt. Aus der alten Schreibweise “Fuerdt” für Furt wurde im Laufe der Zeit Voerde. Erstmalig erwähnt wurde Voerde im Jahr 1244.
1652 wird Voerde dann zur Herrlichkeit mit eigener Gerichtsbarkeit von brandenburgischen Gnaden. Eine Herrlichkeit war ein Verwaltungsbezirk, dem ein Adeliger, meistens ein Freiherr, vorstand. Den Rang einer Herrlichkeit verlor Voerde mit der Besetzung durch französische Truppen 1805. 1815 unter der wiederhergestellten preußischen Herrschaft erhielt Voerde die kommunalen Selbstverwaltungsrechte als Gemeinde. 1922 schlossen sich die Gemeinden Spellen, Möllen und Voerde zur Gemeinde Voerde und die Gemeinden Löhnen, Mehrum und Götterwickerhamm zur Gemeinde Löhnen zusammen. Löhnen und Voerde schlossen sich dann 1950 zusammen. Emmelsum wurde 1975 eingemeindet.
Sonsbeck
Die wahrscheinlich ersten Einwohner Sonsbecks waren die Römer, die in der Sonsbecker Schweiz einen Wachturm errichteten. Die Klever Grafen und Herzöge bauten viele Jahrhunderte später den römischen Wachturm zur Burg aus, heute existiert von der Burg noch der Rundturm, der sogenannte Römerturm. Die Sonsbecker Schweiz , die bis zu 87 Metern über dem Meeresspiegel liegt, war ein idealer Standpunkt, sowohl zur Abwehr als auch zur Beobachtung der Umgebung. Es dauerte nicht lange, bis sich Menschen im Umfeld der Burg niederließen, bot diese doch einen gewissen Schutz für Mensch und Tier. Diese erste Siedlung wurde unter dem -recht schwierig auszusprechenden – Namen “Suangochesboch” im Jahr 862 urkundlich erstmalig erwähnt. Aus Suangochesboch wurde später Sungesbeek und schließlich Sonsbeck.
1203 bekam Sonsbeck die Pfarrechte verliehen, die Stadtrechte folgten 1320 und die Marktrechte 1431. 1478 entstand die Kirche St. Gerebernus, die nach dem Märtyrer und Heiligen Gerebernus benannt ist. Gerebernus war im 6. oder 7. Jahrhundert mit Dymphna, der Tochter eines irischen Königs geflohen, nachdem der König Dymphna nach dem Tod seiner Ehefrau ehelichen wollte. Der König spürte die beiden jedoch auf und ließ sie enthaupten. Teile von Gerebernus Gebeinen kamen auf Umwegen nach Sonsbeck.
Sonsbeck litt wie die gesamte Religion sehr unter dem Jülich-Klevischen Erbfolgekrieg, der von 1609 bis 1614 dauerte und in gewisser Weise nur das Vorspiel des 1618 beginnenden 30jährigen Krieges war. Auch die Stadt Sonsbeck wurde für einige Jahre französisch bevor 1815 das Königreich Preußen erneut die Herrschaft übernahm. 1857 wurde Sonsbeck in den Landkreis Moers eingegliedert, der dann 1975 im Kreis Wesel aufging. Mit knapp 9.000 Einwohnern ist Sonsbeck, das sich zu Recht die “Grüne Perle des Niederrheins” nennt, nicht nur die kleinste Gemeinde meines Wahlkreises, sondern des gesamten Kreis Wesels. Sonsbeck gliedert sich in die drei Ortsteile Hamb, Labbeck und Sonsbeck.
Schermbeck
Am nordöstlichen Rand meines Wahlkreis liegt Schermbeck. Schermbeck besteht aus den acht Ortsteilen Altschermbeck, Bricht, Damm, Dämmerwald, Gahlen, Overbeck, Schermbeck und Weselerwald. Derzeit nennen rund 13.500 Menschen Schermbeck ihr zu Hause. Angefangen hat alles im Jahr 799 als “Scirenbeke” erstmals urkundlich erwähnt wurde. Während des 13. Jahrhunderts führte eine Handelsroute durch Schermbeck, welche den Marktverkehr erblühen ließ. Von den Zolleinnahmen profitierten die Grafen von Kleve. Im 15. Jahrhundert wurde Schermbeck gleich zweimal durch Brände infolge kriegerischer Auseinandersetzungen zerstört. Zwischen 1550 und 1580 sind die Gemeinden in Gahlen und Schermbeck zum evangelischen Glauben übergetreten, nachdem das Herzogtum Kleve die Reformation eingeführt hatte. Heute sind 44 Prozent der Schermbecker römisch-katholisch, 39 Prozent evangelisch, 16 Prozent sind konfessionslos oder gehören einer sonstigen Religionsgemeinschaft an und weniger als ein Prozent ist entweder lutherisch oder alt-katholisch.
Im 17. Jahrhundert fiel Schermbeck erst an den Kurfürsten von Brandenburg, wurde von spanischen Truppen im spanisch-niederländischen Krieg besetzt, erlebte einen Pestausbruch, wurde von kaiserlichen Truppen besetzt und machte zu guter Letzt den dritten Stadtbrand durch. Also alles in allem ein recht aufregendes Jahrhundert für Schermbeck. Von 1801 bis 1813 wurden die Schermbecker dann kurzfristig während der französischen Herrschaft über das linke Rheinufer zu Franzosen. Ende des 19. Jahrhunderts “boomte” in Schermbeck die Töpferei, die Ware verkaufte sich im ganzen Ruhrgebiet. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Ortskern von Schermbeck zu 70 Prozent zerstört.
Dem 1040 km² großen Naturpark Hohe Mark tritt die Gemeinde Schermbeck 1965 bei. 1991 gewinnt der Stadtteil Gahlen den zweiten Preis beim Landeswettbewerb “Unser Dorf soll schöner werden”. Sehenswürdigkeiten in Schermbeck sind unter anderem das ehemalige Wasserschloss, die Kulturstiftung, die Pfarrkirche St. Georg sowie die ehemalige obere Burgmühle.
Rheinberg
Rheinberg trug bis zum 17. Jahrhundert den Namen Berka und hat bereits 1233 die Stadtrechte verliehen bekommen. Rheinberg gehörte zum Erzbistum Köln und war dessen äußerster Stützpunkt; so wurde Rheinberg zur Zollstation und damit begann der Ausbau zur Festung. Noch heute sind 90 Prozent des Zentrums vom zwischen 1290 und 1359 erbauten – mittlerweile jedoch trockengelegten – Wallgraben umgeben. Auch die Überreste des Zollturms oder besser bekannt als Pulverturm sind noch vorhanden und geben mit dem aus dem Turm wachsenden Baum ein spektakuläres Fotomotiv ab.
Aller Anstrengung Rheinberg zur sicheren Festung auszubauen zum Trotz, wurde die Stadt in allen Kriegen der frühen Neuzeit von spanischen, französischen, niederländischen, englischen oder preußischen Truppen erobert und zerstört. Nach 1704 wurde ein Großteil der Festungsanlagen ganz oder teilweise vernichtet und damit blieb die Stadt bis zu den beiden Weltkriegen größtenteils von Kriegen verschont. In der ganzen Welt bekannt wurde Rheinberg durch den seit 1846 in Rheinberg produzierten Kräuterschnaps. Im Zuge der Neugliederung Nordrhein-Westfalens wurden 1975 die Gemeinden Borth und Budberg sowie die Stadt Orsoy in die Stadt Rheinberg eingegliedert. Derzeit leben rund 32.000 Menschen in der schönen Stadt Rheinberg.
Hünxe
Unter dem Namen “de Hungese” wurde Hünxe erstmalig 1092 urkundlich erwähnt. Bodenfunde aus der jüngeren Steinzeit und der älteren Bronzezeit belegen jedoch, dass Hünxe und Umgebung schon viele Jahrhunderte zuvor Siedlungsland war. In den sechs Ortsteilen Hünxe, Bruckhausen, Bucholtwelmen, Drevenack, Gartrop-Bühl und Krudenburg leben derzeit rund 13.500 Menschen und engagieren sich in einem der 88 Hünxer Vereine oder Chöre.
Ein besonderes Highlight ist das Otto Pankok Museum: Im Landgut “Haus Esselt” sind ausschließlich Werke des berühmten Malers, Bildhauers und Graphikers ausgestellt. Pankok, dessen großes Vorbild Vincent van Gogh war, hatte das Haus Esselt in den 50iger Jahren gekauft und bis zu seinem Tod bewohnt. Im Ortsteil Gartrop befindet sich nicht nur das gleichnamige Schloss mit angrenzendem Schlosspark und eigener Kapelle, sondern auch eine Wassermühle aus dem 15. Jahrhundert mit einem vollständig erhaltenen Mühlwerk.
